Mareike Tjaden

Diese Karte schick­te mir mein Bruder vor zehn Jahren, als ich gerade die ersten Schrit­te in der Film- und Fernseh­welt gegan­gen bin. Sie hat einen festen Platz an meiner Pinnwand und ist dreimal mit mir umgezo­gen. Wenn ich sie mir heute so ansehe, dann weiß ich, warum sie geblie­ben ist. Im Grunde steht sie für das, was mich antreibt: das Vertrau­en in neue Ideen — auch wenn sie erstmal ugewöhn­lich klingen.

“Der Sommer ist auch nicht mehr das, was er mal war.”

Ich habe den Eindruck, den meisten fällt es leich­ter zu sagen, wogegen sie sind, statt wofür. Wir sprechen viel zu oft über die Dinge, die schlecht laufen, die uns stören, anstatt positi­ve Visio­nen zu fördern. Meine These: Um wirklich etwas zu verän­dern, müssen wir wissen, warum sich der Aufwand überhaupt lohnt. Wir machen den Abwasch, weil wir gerne von saube­rem Geschirr essen und nicht weil abwaschen so großen Spaß macht.

“Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.”

Darum mag ich den konstruk­ti­ven Journa­lis­mus, der Handlungs­op­tio­nen und Chancen aufzeigt. Das heißt nicht, dass es nur Beschö­ni­gun­gen und gute Nachrich­ten gibt: Wenn etwas schief läuft, muss Journa­lis­mus nerven. Er muss aufklä­ren, Schul­di­ge entlar­ven und um Stellung­nah­men bitten. Doch das ist nur die halbe Strecke. Wieso nicht tiefer graben und gezielt danach suchen, wie es besser laufen kann und welche Optio­nen es schon gibt? Ich denke, dass es der Diskus­si­ons­kul­tur nicht gut tut, wenn sie nur mit Wut, Angst und Entset­zen gefüt­tert wird. Befür­wor­ter und Gegner leben sich ausein­an­der, anstatt respekt­voll mitein­an­der zu disku­tie­ren. Dann darf es gerne laut sein und auch ohne Konsens — aber wenigs­tens differenziert.

Die Welt ist kompliziert

Seitdem ich mit 18 Jahren anfing, mich mit Klima- und Umwelt­the­men zu befas­sen, habe ich viel gelernt: über Ungerech­tig­keit, Privi­le­gi­en, Ausbeu­tung und ökolo­gi­sche Zusam­men­hän­ge. Verstan­den habe ich deshalb längst nicht alles, denn das Klima­sys­tem ist wahnsin­nig kompli­ziert. Das kann überfor­dernd und auch manch­mal angst­ein­flö­ßend sein. Umso wichti­ger ist es, dass es Medien gibt, die dabei helfen, die wissen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se zu sortie­ren und aufzu­be­rei­ten. Denn nur wer die Zusam­men­hän­ge versteht, ist auch bereit, die Verän­de­run­gen und Maßnah­men mitzu­tra­gen, die auf uns zurollen.

Einen Versuch ist es jeden­falls wert. Hat beim Fernse­her, dieser “Sperr­holz­kis­te”, ja letzt­lich auch geklappt.